Berufsschulstufe (Klasse 10-12)

Das Stufenprofil der Berufsschulstufe und der BVE

Klasse 10 - 12.

Die Berufsschulstufe schließt sich an die Hauptstufe an. Die Schüler*innen erfüllen hier ihre Schulpflicht bis zum 18. Lebensjahr. Ausgehend von der individuellen Entwicklung kann der Besuch der Berufsschulstufe verlängert werden.

Die Berufsschulstufe nimmt eine Brückenfunktion zwischen Schule und nachschulischem Leben ein. Der Übergang in das Erwachsenenleben sowie die Lebens- und Zukunftsplanung der Schüler*innen stehen im Mittelpunkt des Unterrichts.

Bildungsbereiche

Die Themen-/Bildungsbereiche, welche auch für die Grund- und Hauptstufe Gültigkeit besitzen, werden in der Berufsschulstufe weitergeführt.

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Berufsschulstufe beziehen sich auf Themen, die Schüler*innen beim Übergang in das nachschulische Leben unterstützen.

Bildungsbereich Selbstständige Lebensführung

Dimension Arbeit

  • Praktische Arbeitsprozesse erleben und durchführen
  • Schlüsselqualifikationen erwerben
  • Berufsqualifizierung und –findung


Dimension Selbstversorgung

  • sich selbstständig entsprechend individueller Möglichkeiten versorgen
    • Hauswirtschaft
    • Einkauf
    • Ernährung
    • Körperpflege


Dimension Wohnen und Freizeit

  • Freizeitinteressen entwickeln und pflegen
  • Erschließen von wohnortnahen Freizeitangeboten
  • Wohnformen kennen lernen und auf eigene Bedürfnisse abgleichen
  • Schullandheim


Dimension Mobilität

  • Orientierung im Schulhaus und Schulumfeld
  • Orientierung im öffentlichen Raum und bei Praktika
  • Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Bildungsbereich Mensch in der Gesellschaft

Dimension Identität und Selbstbild

  • Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie
  • persönliche Zukunftsplanung
  • Liebe, Partnerschaft, Sexualität


Dimension Leben in der Gesellschaft

  • Sozialverhalten, Umgangsformen, Regelverständnis
  • Hilfe annehmen und geben, Respekt und Akzeptanz
  • Tagesgeschehen, Politik, gesellschaftliche Themen
  • Übernahme von Verantwortung (Schülermitverantwortung-SMV, Teilhabebeirat des Landkreises)
  • Medienkompetenz
Kulturtechniken

Die Kulturtechniken Deutsch und Mathematik werden im Klassenunterricht und in Differenzierungsgruppen unterrichtet. Durch individualisierte Lernangebote werden gezielt die Kompetenzen der Schüler*innen gefestigt und erweitert.

Über dieses spezielle Unterrichtsangebot hinaus gibt es durchgängige Lernanlässe in allen weiteren Unterrichtsbereichen. Das Erwerben und Vertiefen der Kulturtechniken geschieht unter dem Aspekt des Alltagsbezuges und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Die Organisation

Neben dem Klassenunterricht gibt es vielfältige klassenübergreifende Angebote oder auch leistungshomogene Lerngruppen. Um selbstorganisiertes und handelndes Lernen zu ermöglichen, werden Unterrichtsinhalte nach Möglichkeit projektartig geplant und durchgeführt.

Beispielhaft für den Bildungsbereich „selbständige Lebensführung“ sind zu nennen:

  • klassenübergreifende Arbeitsgruppen: Reparatur-AG, Hauswirtschafts-AG, Kantinen-AG, Garten-AG, Dienstleistungs-AG
  • langfristig angelegte Arbeitsprojekte mit den Firmen Karstadt (Auffüllen in der Schreibwarenabteilung) und Pfiffikus (Wäsche- und Mangelservice)
  • jährliche, ein- bis mehrwöchige Praktika in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) sowohl im Produktions- als auch im Förder- und Betreuungsbereich, sowie in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes
  • ein- bis zweiwöchige klassenübergreifende Projekte in der Berufsschulstufe (pro Schuljahr)
  • Schullandheimaufenthalte wie Schulbauernhof und Klassenschullandheim

Übergang Schule – Beruf

Wesentliches Element der beruflichen Bildung aller Schülerinnen und Schüler ist die kontinuierliche Berufswegeplanung. Sie geschieht in Zusammenarbeit von Schüler*innen, Eltern und Lehrkräften.

Innerhalb der beruflichen Bildung ist die Verzahnung mit wichtigen nachschulischen Partnern grundlegend. Diese sind vor allem die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), Integrationsfachdienste, Betriebe des Allgemeinen Arbeitsmarktes, Eingliederungshilfe, Agentur für Arbeit und Lebenshilfe. Ergänzend unterstützen bei Bedarf Beratungszentren, Ärzte, Therapeuten und notwendige Ämter.

Die Berufswegekonferenz dient der verbindlichen Planung, Umsetzung und Auswertung aller im Einzelfall erforderlichen Schritte zum Übergang in das Arbeitsleben sowie der Koordination der verschiedenen Partner.

Die wichtigsten Partner sind und bleiben die Familien und Eltern. Nur im Dialog mit ihnen und im Zusammenwirken mit den jeweiligen Schüler*innen können Ziele, Förderpläne und weitere Planungen verwirklicht und im Sinne des Jugendlichen umgesetzt werden.

Die berufliche Bildung aller Schüler*innen ist in drei Phasen gegliedert und beinhaltet neben der Arbeit im klassenbezogenen oder klassenübergreifenden Unterricht auch Praktikaphasen.

Orientierungsphase
Erarbeitung der Wünsche/Interessen, Fähigkeiten/Fertigkeiten und des Unterstützungsbedarfs/der persönlichen Grenzen; Überprüfung der Erkenntnisse in ersten Praktika in der WfbM und ggf. auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt

Erprobungsphase
Überprüfung der Ergebnisse aus der Orientierungsphase in Langzeit- oder Blockpraktika (Erprobung über einen längeren Zeitraum hinweg)

Eingliederungsphase
Vorbereitung auf die Beendigung der Schulzeit und der Übergang ins Berufsleben

Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) & Kooperative Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt (KoBV)

Schüler*innen, bei denen eine realistische Perspektive auf einen Übergang in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt besteht, werden im Rahmen der Berufsvorbereitenden Einrichtung (BVE) in Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst gezielt auf die berufliche Eingliederung vorbereitet. Der Unterricht an der Berufsvorbereitenden Einrichtung wird in Zusammenarbeit mit dem Berufsschulzentrum durchgeführt.

Die letzte Phase der Eingliederung auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt findet in der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme Kooperative Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt (KoBV) statt. Die federführende Schule ist das Berufliche Schulzentrum Leonberg.

Beispiel einer gelungenen beruflichen Eingliederung

"Auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen"

Portrait von Margarita Mitrova, einer jungen Frau mit Down-Syndrom. Sie hat in der Tagespflege in Rutesheim eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden - dank guter Vorbereitung durch zahlreiche Partner.